Eine-Welt-Gruppen und die Trans-Fair-Organisation im Gespräch

Mehr als eine Siegelorganisation

 
In einem Gespräch bei TransFair e.V. im August 2017 mit Eine-Welt-Gruppen erläuterte Martin Schüller, entwicklungspolitischer Referent der Organisation, Ziele, Strategien und aktuelle Herausforderungen seiner Organisation.

 
Transfair ist in Deutschland die Fairtrade-Organisation. Bekannt ist sie vornehmlich als Institution, die das Fairtrade-Siegel verleiht. Martin Schüller jedoch stellt klar: „TransFair ist leider meist nur als Siegelorganisation bekannt. Aber wir leisten einiges mehr.“ Und richtig. Das grundlegende Ziel geht weit darüber hinaus: „ Fairtrade verbindet Konsumentinnen und Konsumenten, Unternehmen und Produzentenorganisationen und verändert Handel(n) durch bessere Preise für Kleinbauernfamilien, sowie menschenwürdigere Arbeitsbedingungen für Beschäftigte auf Plantagen in Entwicklungs- und Schwellenländern.“

 
Dazu einige Fakten und Zahlen: Schon 1992 wurde TransFair gegründet, kann also in diesem Jahr das „Silberne“ feiern. In der stark kirchlich geprägten Mitglieder-Runde sind Brot für die Welt und Misereor von besonderer Bedeutung. TransFair hat in Deutschland rund 350 Partnerfirmen – von Aldi bis GEPA. Auf der anderen Seite arbeitet der Kölner Verein mit ca. 1.200 Kooperativen zusammen.

 
2002 wurde in Deutschland das Fairtrade-Siegel eingeführt. Und schon lange tragen nicht nur Kaffee- und Teepäckchen das Siegel, sondern etwa auch Blumen, Textilien oder Bananen. Inzwischen kennen laut einer Umfrage etwa 83 % der Deutschen das Siegel und 80 % vertrauen ihm. Das ist ein überraschend hoher Bekanntheitsgrad in der manchmal schwer zu überschauenden Landschaft der Siegel.

 
International, so Schüller, gibt es kein Land, in dem so viele faire Produkte zugleich auch „bio“ sind. Bananen beispielsweise seien schon zu 100 % sowohl fair als auch biogesiegelt.

 
Also überall nur eitel Sonnenschein? Mitnichten!

 
Es bleibt der Grundkonflikt zwischen denen, die faire Produkte am liebsten nur im Weltladen oder am Stand der Eine-Welt-Gruppen sähen, und der auf Umsatzerweiterung bedachten TransFair-Gesellschaft. „Das Einkommen der Kakaobauern in Westafrika hat sich signifikant verbessert, seit auch Ferrero, Lambertz und Ritter Sport zu unseren Kunden gehören“ so Schüller. Das musste die Nachfrage seitens der Arbeitsgemeinschaft Eine-Welt-Gruppen provozieren, ob bei einer solchen Einstellung die Weltläden aus der Perspektive von TransFair überhaupt noch interessant seien.

 
Schüller: „Es gibt zwei wichtige Wege des Fairen Handels, aber es gibt eben auch zwei Geschwindigkeiten.“ Ein Wunsch einer Fachberaterin für Eine-Welt-Läden lautete: „Suchen Sie doch häufiger den direkten Kontakt zu den Weltläden!“

 
(Leicht gekürzte Wiedergabe eines Artikels von Ulrich Jost-Blome in „Infodienst“, Nov 2017, S. 4f.,  der AG Eine-Welt-Gruppen im Bistum Münster und in der Ev. Kirche von Westfalen)